| Die heutigen Tibeter legen großes Gewicht auf das nächste Leben, aber größeres Gewicht auf das jetzige Leben |
| 2005/03/03 |
|
Die heutigen Tibeter legen großes Gewicht auf das nächste Leben, aber größeres Gewicht auf das jetzige Leben
Von Bi Yongguang
Zhanxi Gonbo (47) lebte im Dorf Langse, Ortschaft Dahe, Kreis Gonbo'gyamda, in Tibet. Neben der Bodenbestellung sammelte er den Chinesischen Raupen-Pilz (Cordyceps sinensis). Als die Preise für chinesische Raupen-Pilze anstiegen, verdiente er viel Geld und baute 1999 mit 100 000 Yuan ein Teehaus an der Nationalstraße Nr. 318. Seither verdient er monatlich 500-600 Yuan.
Zhaxis religiöse Artikel sind ein Photo des 10. Panchen Lama und eine Butterlampe. Seine Frau Yangjin rezitiert täglich buddhistische Sätze. Sein Sohn, der in einer Fernseh-Relaisstation arbeitet, und seine Tochter, die in Zhaxis Teehaus arbeitet, zeigen kein Interesse für das Gebetvorlesen. Yangjin sagte, dass sie Buddha anbete, um ein schönes nächstes Leben herbeizuwünschen; dies sei nur eine Hoffnung und niemand wisse, wie das nächste Leben aussehe.
Viele tibetische Familien bewahren wie Zhaxi Buddhastatuen zu Hause auf, machen Pilgerfahrten, spenden den Klöstern Geld und nehmen an religiösen Aktivitäten teil. Sie hoffen auf ein schönes nächstes Leben. Aber sie setzen noch mehr Energie für die Verbesserung ihres heutigen Lebens ein und streben das Glück im jetzigen Leben an.
Die gläubigen Tibeter sind der Überzeugung, dass es ein jetziges Leben, ein nächstes Leben und eine frühere Existenz gebe; sie glauben auch, dass „Gutes mit Gutem vergolten wird, Böses mit Bösem". Daher ziehen viele Tibeter das nächste Leben dem jetzigen Leben vor; sie finden sich mit dem harten jetzigen Leben ab und wünschen ein schönes nächstes Leben herbei.
Es ist falsch, zu glauben, dass sich alle Tibeter mit dem bitteren Leben abfinden oder Elend als Freude betrachten.
Die Touristen, die das Herrenhaus der Familie Pharlha im Kreis Gyangze besuchten, wussten, dass dieses Landgut 1937 erbaut wurde und das am besten in Tibet erhaltene ist. Das zweistöckige Gebäude und der Hof des Landgutbesitzers Zhaxi Wangqug und seiner Frau nahmen eine Fläche von 5000 qm ein. In ihrem Haus wird eine große Anzahl von Dosen, Spirituosen, Kosmetika, Lederschuhen, Tonbandgeräten und Toilettenseifen, Sojasoßen, Essig und Reis, die aus den USA, Großbritannien und Indien eingeführt wurde, aufbewahrt. Zhaxi Wangqug war ein Buddhist, aber er liebte das jetzige Leben. Gegenüber seinem Hof ist ein 150 qm großer Hof mit einigen Zimmern, die früher von 14 Leibeigenenfamilien mit insgesamt 60 Angehörigen bewohnt wurden; das kleinste Zimmer ist nur 1,5 m hoch. Im Zimmer gibt es nur einfaches Küchengerät, Bettdecken und Arbeitsgeräte, aber kein Bett. Diese Zimmer stehen in krassem Kontrast zu der Wohnung des Landgutbesitzers.
Vor der Demokratischen Reform 1951 hatten die Leibeigenen weder Boden noch Hausvieh, ihre persönliche Freiheit wurde eingeschränkt, sie sollten viele Steuern und Abgaben entrichten; diejenigen, die gegen die von den Herrschern erlassenen Strafgesetze verstießen, wurden geprügelt; in ernsten Fällen wurden manchen Leibeigenen die Augen entfernt oder die Zungen abgeschnitten. Die Leibeigenen glaubten an den Buddhismus, setzten ihre Hoffnung auf das nächste Leben und milderten so ihre geistigen Schmerzen im jetzigen Leben. Die alte tibetische Lokalregierung, die Politik mit der Religion integrierte, popularisierte unter den Leibeigenen die buddhistische Doktrin, um sie anzuhalten, Leiden im jetzigen Leben zu ertragen, weil sie in ihrer früheren Existenz Böses getan hätten. Das war der Grund, dass einige Jahrhunderte lang kein Leibeigenenaufstand in Tibet ausbrach, obwohl die Leibeigenen grausam ausgeplündert wurden. Einer der wichtigsten Gründe für die langjährige Rückständigkeit Tibets lag darin, dass viele Tibeter unter dem Einfluss der Religion mit ihrem Status quo zufrieden waren und keinen Fortschritt anstrebten.
In der Tat kann die tibetische Nationalität gut singen und tanzen und versteht gut, das Leben zu genießen.
Ein tibetisches Sprichwort besagt: „Wer sprechen kann, der kann singen; wer gehen kann, der kann tanzen; wer essen kann, der kann Wein trinken."
Seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik wird der heitere Charakter der Tibeter nicht mehr eingeschränkt; sie können frei singen und tanzen und steigern ihre Initiative zur Verbesserung des Lebens. Auf der Reise im ausgedehnten Tibet sieht man überall neue Häuser, Autos und Traktoren vor neuen Häusern. Seit Billardspiel, Karaoke-Lokale, Fernsehfilme, Videoprodukte, Gesang- und Tanzlokale eingeführt worden sind, werden sie von den Tibetern geliebt. Heute kann man überall in Tibet sehen, dass viele Bewohner Lhasas Spaziergänge in den Grünanlagen und Parks machen und dort Tee und Wein trinken.
In den wirtschaftlich entwickelten Gebieten in Tibet ist die religiöse Atmosphäre schwächer geworden. Junge Tibeter zeigen geringes Interesse an Religion. Das Streben nach einem besseren Leben verändert die Vorstellung der Tibeter über die Religion in der tibetischen Gesellschaft, was Tibet neue Lebenskraft verleiht.
#EndEditable
|